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19.07.2017

EM-Triumph für DTTB - Jungen: Erste Goldmedaille seit 11 Jahren

Elf Jahre nachdem Dimitrij Ovtcharov, Ruwen Filus, Steffen Mengel, Markus Schlichter und Hendrik Fuß in Sarajewo die Goldmedaille mit der Jungen-Auswahl bei den Jugend-Europameisterschaften gewannen, ist es erneut einem Team des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) gelungen, den EM-Titel zu holen.

Tobias Hippler, Gerrit Engemann, Cedric Meissner und Fanbo Meng schnappten sich bei den 60. Titelkämpfen in Guimarães die Goldmedaille. Das Team von Bundestrainer Zhu Xiaoyong, unterstützt von Bundesstützpunkttrainer Lars Hielscher, setzte sich im Finale überraschend deutlich mit 3:0 gegen Russland durch. Noch vier Tage zuvor hatte das DTTB-Quartett gegen die an Position zwei gesetzte Mannschaft in der Vorrunde mit 2:3 das Nachsehen gehabt. Zeit zum Verschnaufen bleibt nach dem gewonnenen Teamfinale nicht: Es folgen von Mittwoch, 19. Juli, bis zum Sonntag die Individual-Konkurrenzen Einzel, Doppel und Mixed.

Eindrucksvolle Revanche für Niederlage in der Gruppenphase geglückt

Nur wenige Minuten nach dem gewonnenen Endspiel musste Zhu Xiaoyong gar nicht lange überlegen, um einen Grund für den sensationellen Triumph von Guimarães zu finden: „Das war eine sensationelle Teamleistung. Die Jungs haben die Aufgabe sehr gut gelöst“, sagte der erfahrene Coach. „Gegen Spanien waren wir in der Vorrunde nur zwei Punkte von einer Niederlage und dem damit verbundenen dritten Gruppenplatz entfernt. Jetzt haben wir das EM-Endspiel gewonnen – Wahnsinn!“ Der Triumph wird allerdings noch ein Nachspiel haben: Cedric Meissner hatte im Vorfeld seiner EM-Teilnahme verkündet, dass er sich beim Gewinn der Team-Goldmedaille die Haare komplett rasieren lassen wird. „Am Sonntagabend werden wir das durchziehen“, verkündete Lars Hielscher. „Der Bundestrainer darf anfangen.“


Die DTTB-Delegation feuerte das Jungen-Quartett auf der Tribüne immer wieder lautstark an. Heimspiel-Atmosphäre hatte sich schnell im „Guimarães patrimonio mundial“ entwickelt. Der Funke Begeisterung sprang auf das Team über, wenngleich Gerrit Engemann in der ersten Partie gegen Denis Ivonin ein Wechselbad der Gefühle erlebte. Im zweiten Satz vergab der Zweitligaspieler des TTC GW Bad Hamm einen 9:5-Vorsprung (10:12), in Durchgang vier ließ Engemann drei Matchbälle aus (11:13). Doch damit nicht genug: Im Entscheidungsabschnitt lag Ivonin, Nummer zehn der U18-Europarangliste, schnell mit 5:1 vorne. Dann begann, wie schon am Vortag im Halbfinale gegen Rumänien (3:2), die große Aufholjagd des Gerrit Engemann. Gegen Rumänien hatte der Hammer beim Stande von 2:2 im entscheidenden fünften Satz mit 5:10 gegen Europas Nummer 2 Rares Sipos  zurückgelegen, um dann Deutschland noch ins Finale zu bringen. Gegen Russland im Finale trumpfte triumphierte der 17-Jährige mit 11:7 im Entscheidungssatz und sorgte für die wichtige 1:0-Führung. „Aus der Rumänien-Partie habe ich sehr viel Selbstvertrauen mit in das Endspiel genommen. Nach meinem Erfolg gegen Ivonin war ich mir sicher, dass wir die gesamte Begegnung gewinnen könnten.“

 

Tobias Hippler und Cedric Meissner deklassieren im Finale ihre Gegner

Mit dem wichtigen Vorsprung im Rücken ließ es sich für Tobias Hippler gegen Abwehrspieler Artur Abusev deutlich entspannter agieren. „Abusev hatte große Probleme mit meinem ersten Spinball“, analysierte Hippler anschließend seinen 11:4, 11:7 und 11:5-Erfolg. „Dadurch wurde er hektisch. Das kam meinem Spiel natürlich entgegen.“ Anschließend ging Cedric Meissner in die Box. Gegen Lev Katsman ging der erste Satz zwar mit 8:11 verloren, doch danach ließ Meissner seinem Gegenüber nicht den Hauch einer Chance. „Am Ende habe ich das Ding erobert“, strahlte der Niedersachse über beide Backen. Der Jubel unmittelbar nach dem verwandelten Matchball war jedoch sehr verhalten ausgefallen. Eher fragend schaute Cedric Meissner zur Bank, doch als seine Teamkollegen aufsprangen sowie die Box stürmten, schmiss er den Schläger in Richtung Netz und ließ sich feiern. „Kurz hatte ich noch auf das Zählgerät geblickt, um auch ganz sicher zu gehen, dass ich das Spiel tatsächlich gewonnen hatte.“ Tobias Hippler hatte noch ein kleines Wortspiel für seinen Team-Kollegen parat. „Wir sind heute Europameissner geworden!“ Im Rahmen der Siegerehrung überreichte Heike Ahlert, Vize-Präsident der Europäischen Tischtennis-Union (ETTU), die Trophäe an Zhu Xiaoyong, der im Kreis seiner Jungs und seinem Trainerkollegen Lars Hielscher überglücklich den Pokal in die Höhe streckte. Es war tatsächlich geschafft: Die Goldmedaille im Jungen-Mannschafts-Wettbewerb geht nach elf Jahren wieder nach Deutschland!

 

Schüler auf Platz 7: Nur ein Satzverlust beim Sieg gegen Portugal

Das ging schnell: Nach nicht einmal 60 Minuten hatten die Schützlinge von Bundestrainerin Eva Jeler die abschließende Platzierungspartie gegen Gastgeber Portugal mit 3:0 gewonnen. Fernando Janz feierte bei seiner ersten EM-Teilnahme sein Debüt im Einzel. Bislang war der Berliner von Jeler im Rahmen der Team-Konkurrenz lediglich im Doppel an der Seite von Felix Wetzel aufgestellt worden. Der 15-Jährige rechtfertigte seine Nominierung mit einem Vier-Satz-Sieg gegen Francisco Silva. Beide Spieler kannten sich bereits vom Duell bei den Spanish Open rund zwei Monate vorher. „Damals hatte ich noch mit 3:2 gewonnen“, erinnert sich Janz. „Am Anfang war ich noch ein wenig nervös. Ab dem zweiten Satz konnte ich meine Taktik gut umsetzen.“ Auch die Bundestrainerin war mit dem Auftritt des EM-Debütanten zufrieden. „Es hat mich sehr gefreut, dass Fernando gleich sein erstes EM-Einzel gewonnen hat. Er hat sich gut in die Begegnung hinein gearbeitet.“ Keinerlei Probleme hatte anschließend Felix Wetzel, einen 3:0-Sieg gegen David Bessa einzufahren. Auch das Doppel an der Seite von Daniel Rinderer gewann der Linkshänder gegen Tiago Li/Goncalo Gomes souverän nach drei Durchgängen. „Mit einer 2:0-Führung im Rücken konnten wir locker aufspielen“, ergänzte Rinderer.

 

Mädchen auf Platz 9: Souveräner 3:0-Erfolg gegen die Türkei zum Abschluss

Nach der 0:3-Niederlage im Achtelfinale gegen Russland holten die DTTB-Mädchen noch das bestmögliche Ergebnis heraus. Durch drei Siege in der Platzierungsrunde reichte es für das Quintett von Bundestrainerin Dana Weber zum neunten Rang. Am Ende der Team-Konkurrenz gab es einen 3:0-Erfolg gegen die Türkei. Damit wiederholten die Weber-Schützlinge exakt das Resultat aus der Vorrunde. Diesmal allerdings saßen Luisa Säger und Jennie Wolf, die Nummer eins und zwei der Mannschaft, auf der Bank. Mit den 15-Jährigen Franziska Schreiner und Laura Tiefenbrunner wollte Dana Weber zwei Spielerinnen eine Chance an den beiden vorderen Positionen geben, die sich im ersten Mädchen-Jahr befinden und noch weitere, mögliche Nominierungen vor sich haben. „Beide haben ihre Sache gut gemacht“, sagte die Bundestrainerin anschließend. Auch Schreiner selbst war nach dem 3:0-Erfolg gegen Gul Pembe Ozkaya mit ihrer Leistung zufrieden. Etwas mehr musste Tiefenbrunner kämpfen, um sich nach vier Durchgängen gegen Betull Nur Kahraman zu behaupten. „Ich habe nochmal alles gegeben. Meine Leistung war in Ordnung“, sagte die Spielerin aus Kolbermoor. Für den Schlusspunkt sorgte Lotta Rose mit einem 3:2-Erfolg gegen Aybuke Oner. „Irgendwie habe ich das Gefühl, immer noch nicht im Turnier angekommen zu sein“, sagte die Linkshänderin nach ihrem ersten Sieg in Guimarães.

 

Schülerinnen auf Platz 9: Sechs Erfolge in sieben Spielen

Es war der vierte 3:0-Erfolg und der sechste Sieg in Guimarães insgesamt: Das Quartett von Schülerinnen-Bundestrainerin ließ auch nach der 0:3-Niederlage im Achtelfinale gegen Weißrussland nicht nach und zeigte sich bis zum letzten Spiel hoch konzentriert. In der Begegnung um Platz neun ließen Sophia Klee und Anastasia Bondareva kaum etws anbrennen. Die deutschen Meisterinnen im Schülerinnen- sowie Mädchen-Doppel gewannen ihre beiden Einzel souverän in drei Sätzen. Auch Seite an Seite im Doppel gab sich das Duo keine Blöße. „Wir hatten uns natürlich schon mehr als den neunten Platz ausgerechnet“, verschweigt Klee keineswegs die immer noch vorhandene Enttäuschung, heute Abend nicht an der Siegerehrung teilnehmen zu dürfen. Die 14-Jährige kann altersbedingt im nächsten Jahr noch ein weiteres Mal einen Anlauf bei den Schülerinnen unternehmen. Vielleicht klappt es dann im rumänischen Clouj mit dem Gewinn einer Medaille.

 

MANNSCHAFTSWETTBEWERBE

Jungen
Finale
Deutschland – Russland 3:0

Gerrit Engemann - Denis Ivonin 3:2 (12, -10, 7, -11, 7)
Tobias Hippler - Artur Abusev 3:0 (4, 7, 5)
Cedric Meissner - Lev Katsman 3:1 (-8, 4, 5, 5)
Halbfinale
Deutschland - Rumänien 3:2

Gerrit Engemann - Cristian Pletea 1:3 (9, -5, -11, -7)
Tobias Hippler - Rares Sipos 3:1 (5, 13, -7, 5)
Cedric Meissner - Dragos Florin Oprea 3:0 (3, 10, 7)
Tobias Hippler - Cristian Pletea 1:3 (-10, 8, -4, -4)
Gerrit Engemann - Rares Sipos 3:2 (7, -9, 5, -5, 12)

 

Schüler
Spiel um Platz 7
Deutschland - Portugal 3:0
Fernando Janz - Francisco Silva 3:1 (-9, 10, 4, 13)
Felix Wetzel - David Bessa 3:0 (8, 5, 4)
Daniel Rinderer/Felix Wetzel - Tiago Li/Goncalo Gomes 3:0 (5, 6, 2)


Mädchen
Spiel um Platz 9
Deutschland - Türkei 3:0
Franziska Schreiner - Gul Pembe Ozkaya 3:0 (6, 10, 9)
Laura Tiefenbrunner - Betul Nur Kahraman 3:1 (8, 8, -5, 14)
Lotta Rose - Aybuke Oner 3:2 (6, -5, -5, 10, 4)


Schülerinnen
Spiel um Platz 9
Deutschland - Ukraine 3:0
Anastasia Bondareva - Iolanta Yevtodii 3:0 (11, 8, 3)
Sophia Klee - Anna Miklukha 3:0 (4, 4, 2)

 

DAS AUFGEBOT DES DTTB

Jungen
Gerrit Engemann (TTC GW Bad Hamm), Tobias Hippler (TuS Celle), Cedric Meißner (TuS Celle), Fan Bo Meng (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell), Kay Stumper (SV Salamander Kornwestheim)

Mädchen
Lotta Rose (TTK Großburgwedel), Luisa Säger (alter verein: DJK Offenburg/neuer Verein: TTC Weinheim), Franziska Schreiner (TV 1921 Hofstetten), Laura Tiefenbrunner (SV DJK Kolbermoor), Jennie Wolf (alter Verein: TV Busenbach/neuer Verein: TTC Weinheim)

Schülerinnen 
Anastasia Bondareva (VfR Fehlheim), Jana Kirner (DJK Offenburg), Sophia Klee (SC Niestetal), Wenna Tu (NSU Neckarsulm)

Schüler
Mike Hollo (SV DJK Kolbermoor), Fernando Janz (Füchse Berlin Reinickendorf), Daniel Rinderer (FC Bayern München), Felix Wetzel (SB DJK Rosenheim)

 

DAS BETREUER-TEAM

Trainer und Trainerinnen
Eva Jeler (Cheftrainerin Jugend; Bundestrainerin Schüler)
Dana Weber (Bundestrainerin Mädchen)
Zhu Xiaoyong (Bundestrainer Jungen)
Lara Broich (Bundestrainerin Schülerinnen)
Tamara Boros (DTTZ-Trainerin)
Lars Hielscher (Bundesstützpunkttrainer)

 


Zeitraum