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20.05.2016

Bernd Schuler ist Deutscher Meister

Erfolgreiches Trio: Josef Link, Heidi Wunner und Bernd Schuler holten Gold und Silber in Kassel.

Senioren-DM in Kassel: Silber für Heidi Wunner und Josef Link - Zwei weitere Medaillen für die TTVR-Senioren - Kai Otterbach fehlt ein Punkt - Skandal um Ursula Schwickerts Schläger

Kassel. Stark, stärker, Schuler: Das Gebräu, das der „Hexer“ von der Mosel bei den deutschen Seniorenmeisterschaften in Kassel angerührt hatte, war so heiß gekocht, dass sich die Konkurrenz daran die Finger verbrannte. Entschärfen konnte das Gemisch des unverwüstlichen Haudegens Bernd Schuler jedenfalls niemand, sodass der ehrgeizige Recke des TV Eintracht Cochem am Ende ganz oben auf dem Treppchen stand. Gold in der Ü65-Konkurrenz: Der DM-Titel ist ein weiterer Meilenstein in der ohnehin üppigen Erfolgsvitrine des Mannes aus dem Moselörtchen Ernst.

Ernst gemacht haben auch Josef Link (TTG Torney/Engers) sowie Heidi Wunner (SV Rheinbreitbach): In der Ü70- beziehungsweise Ü75-Konkurrenz ging jeweils die Silbermedaille an die Athleten des Tischtennisverbandes Rheinland. Hinzu kommt zweimal bronzenes Edelmetall: So holte sich Bernd Schuler im Mixed mit Hannelore Dillenberger (TuS 1904 Himmighofen) Platz drei ebenso wie Heidi Wunner mit Siegfried Lemke (TTV Brandenburg). 

Eine hervorragende Ausbeute, die den Seniorenbeauftragten des TTVR, Heinz Dillenberger, sehr zufrieden stimmte. „Wir sind mit neun Athleten angetreten und haben es fünfmal aufs Treppchen geschafft. Das ist ganz stark“, sagte Dillenberger, der den TTVR-Senioren eine Top-Leistung attestierte. „In nahezu allen Altersklassen wurde auf sehr hohem Niveau gespielt. Das hatte Qualität. Und so mancher Senior hat gezeigt, dass er auch mit den Jüngeren mehr als nur mithalten kann“, so der TTVR-Seniorenchef. 

Die nationalen Titelkämpfe - in Kassel lieferten sich rund 500 Senioren packende Duelle - genossen die TTVR-Senioren jedenfalls ausgiebig. Eine Bootsfahrt am Vorabend des Finaltages auf der Fulda inklusive. Heinz Dillenberger: „Es ist ein riesiges Familientreffen, da steht nicht nur der Sport, sondern auch das Gesellige an vorderster Stelle. So soll das auch sein.“ 

Einige Randnotizen rund um die DM in Kassel, teilweise kommentiert vom Ü40-Senior Kai Otterbach (SF Nistertal):

Der Durchmarsch: Bernd Schuler ist nicht aufzuhalten. Alle drei Ü65-Gruppenspiele gewann der „Hexer“ ohne Satzverlust. In der Hauptrunde ließ er ebenfalls nichts anbrennen. Drei weiteren 3:0-Siegen folgte im Finale der einzige Satzverlust des Turniers beim 3:1-Sieg gegen Franz-Josef Hürmann (TTF Bönen). „Keiner ist in dieser Altersklasse so fit wie Bernd. So fokussiert, so ruhig und taktisch so gewieft - so, wie er spielt, kann ihn keiner schlagen“, stellte Otterbach dem ehemaligen Oberligaakteur die Zeugnisnote 1 aus.  

Der Skandal: Ursula und Egon Schwickert (SG Kirchberg/Rhaunen) hatten in Kassel mächtig Ärger. Beziehungsweise haben sich die beiden mächtig geärgert. Nicht nur, dass es mit einer Medaille nichts wurde. „Ursula musste ihren Schläger abgeben. Das war ein Skandal“, sagte Kai Otterbach. Passiert war dies: Offenbar hatte der Belag des Schlägers der Kirchbergerin einen „Miniminiriss“ (Otterbach), was den Schiedsrichter dazu verleitete, Schwickerts Spielgerät in der Ü60-Konkurrenz nicht zuzulassen. „Mit einen anderen Schläger war zunächst das Doppel gelaufen, und auch im Einzel klappte es dann nicht“, litt Otterbach mit. Egon Schwickert, im Einzel der Ü80 in der ersten Hauptrunde ausgeschieden, zog noch fünf weitere Schiedsrichter zur Rate - ohne Erfolg. Das ist den Schwickerts in ihrer  beeindruckenden Tischtennis-Laufbahn so auch noch nicht untergekommen.

Das Riesenpech: Es erwischte Kai Otterbach mit seinem Doppelpartner Piotr Frackowiak (TTC Elz) im Doppel-Viertelfinale der Ü40-Konkurrenz. 2:0 und 10:9 führte das Duo gegen Sitran/Vester (WTTV), „doch dieser eine verflixte eine Punkt wollte uns einfach nicht gelingen“, ärgerte sich Otterbach. Zumal im folgenden Satz eine 4:0-Führung und im fünften Durchgang eine 4:1-Führung nicht reichen sollte. Zu allem Übel bekam Otterbach noch einen Aufschlag abgezählt: „Ein Witz bei meinen Einwürfen. Eine bodenlose Frechheit.“ Mit seinem Abschneiden im Einzel war der Nistertaler Recke dagegen überaus zufrieden. Um Platz zwei in der Gruppe hinter Doppelkollege Frackowiak zu erreichen, musste Otterbach den Regionalligaspieler Guido Schmitz bezwingen, der seinerseits mit 3:2 gegen Frackowiak siegte. Dabei griff Nistertals Nummer eins ganz tief in die Trickkiste und rief Tim Lindner (früher TTC Mündersbach) an, der mit seinem Wuppertaler Verein gegen den Neusser in der Liga gespielt hat. „Tim hat mir die richtigen Tipps gegeben, sodass ich diesen starken Spieler schlagen konnte. Ich hätte nicht gedacht, dass ich einen so starken Mann packe“, freute sich Otterbach. Den in der Folge auch nicht mehr umhauen konnte, dass im Hauptfeld in Runde zwei gegen Marin Kostandinov (Magdeburg) Endstation war. „Die Jungs spielen nochmals in einer ganz anderen Liga“, sagte Otterbach und zog für sich diese Bilanz: „Halleluja! Mehr geht nicht. Ich bin stolz wie sau.“

 

 

 

Die Ehemaligen: „Der Reinhold!“ Staunend kommentierte Kai Otterbach den DM-Sieg des Ü50-Doppels Reinhold Kessel/Hans-Jürgen Fischer. Der Reinhold, der spielte einst für die TTSG Wittlich und ist seit vielen Jahren für den TTC Höchst/Nidder aktiv. Jetzt wurde der Säubrenner, der zumindest zur legendären Kirmes Jahr für Jahr in seine Heimat zurückkehrt, sich aber aller Rückholversuche der Wittlicher seit eben so vielen Jahren hartnäckig erwehrt, Deutscher Meister. Was für ein Coup! „Er hatte ja auch nicht gerade eine Lusche als Partner“, sagte Kai Otterbach süffisant. Stimmt: Hansi Fischer - er gehörte im legendären Triple-Jahr 1987 zum Team des Bundesligisten TTC Zugbrücke Grenzau - gewann neben dem Doppel auch das Mixed sowie den Einzeltitel. Grund zur Freude hat ein weiterer ehemaliger TTVR-Recke: So gelang dem früheren Kirchener Rene Theillout der Sieg im Ü70-Doppel. Mensch, Vati!   

 

Die Unermüdliche: Heidi Wunner gelang in Kassel zwar nicht der ganz große Wurf, sprich der Titelgewinn. Platz zwei in der Ü75-Konkurrenz ist für die unermüdliche Rheinbreitbacherin jedoch ebenfalls ein Riesenerfolg. Was übrigens auch für den unverwüstlichen Josef Link gilt. Wunner selbst beweist seit Jahr und Tag nicht nur am Tisch gute Kondition. Auch Reisestrapazen scheinen ihr nichts auszumachen. Am kommenden Montag startet Wunner bei der Senioren-WM im spanischen Alicante. „Spätestens mit 80 soll es mit WM-Titel klappen“, sagte sie einmal. Nun, da hat die 76-Jährige ja noch ein bisschen Zeit. Vielleicht klappt es ja schon in Spanien… Rainer Stauber


Ganz oben: Bernd Schuler gab bei der DM nur einen einzigen Satz ab.

Stolzer Zweiter: Josef Link von der TTG Torney/Engers.

Silber: Heidi Wunners Reise nach der DM geht weiter. Ab Montag kämpft die Rheinbreitbacherin um WM-Ehren.

Stolz wie sau: Kai Otterbach. Doch was waren das bloß für Aufschläge im Doppel?

Bronze im Mixed holten Hannelore Dillenberger und Bernd Schuler. Top!

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