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03.05.2016

Es war einmal eine Relegation...

Gute Spiele, gute Stimmung: In der Sporthalle der Kirner Realschule im Schulzentrum "Auf der Kyrau" wurde um jeden Ball gekämpft. Der TTC GW Kirn war zudem ein perfekter Gastgeber und darf sich nun auf die Deutschen Jugendmeisterschaften 2017 freuen.

Dramatik, Hochspannung, unbändiger Kampfgeist und tolle Fans: Die Zutaten der Relegationsspiele des Tischtennisverbands Rheinland in der Sporthalle des Schulzentrums „Auf der Kyrau“ in Kirn hatten alles an Würze, was den Tischtennissport mitunter so einmalig schön macht. Darüber hinaus gab es an der Nahe reichlich Gelegenheit zum Treffen ehemaliger Weggefährten. So jung kommt man schließlich nicht mehr zusammen. Zudem glänzte der TTC Grün-Weiß Kirn als vorbildlicher Ausrichter.

Kirn. Vorneweg: Die ganz großen Sieger der entscheidenden Spiele um den Aufstieg beziehungsweise den Klassenverbleib auf Verbandsebene heißen Bombogen SFC, TTG Waldalgesheim/Daxweiler, TTC Wirges IV, TTC Olympia Koblenz, TTC Mülheim-Urmitz/Bhf. II, TTC 95 Laubenheim sowie SG Sinzig/Ehlingen und SG Lahnbrück Fachbach. Ihnen gelang allesamt „Auf der Kyrau“ der große Wurf, sodass sich die Reise an die Nahe allemal gelohnt hat. Ein Blick in die einzelnen Klassen verdeutlicht nur in etwa, wie spannend und knapp es an den Tischen zuging.

1. Bezirksliga West: Aufsteiger Bombogen SFC

Das hätten sie sich nicht unbedingt zu träumen gewagt: Im ersten Spiel trennte sich der Vizemeister der 2. Bezirksliga Trier/Wittlich, der Bombogen SFC, vom TTC Rommersheim mit 8:8 und war lediglich einen einzigen Satz schlechter. Womit es sofort wieder an den Tisch ging. In Spiel zwei wartete die favorisierte SG Butzweiler/Kordel und ging beim deutlichen 4:9 gegen furios aufspielende Bombogener unter. „Am Ende war die Luft raus“, sagte Christian Grundhöfer sichtlich enttäuscht. Während SG-Recke Franko Rosswinkel bereits auf das letzte Spiel gegen Rommersheim blickte: „Die liegen uns besser.“ 

Er sollte recht behalten, was wiederum Bombogen bestens schmeckte. „Wir hoffen auf Butzweilers Kampfgeist“, sagte SFC-Pressewart Benjamin Wagner und ließ es sich mit seiner bunt gemischten Truppe in der Kirner Altstadt beim Essen gut gehen. Per Handy hielt Wagner Kontakt in die Halle und bekam vermeldet, dass die SG gegen Rommersheim schnell führte und die für Bombogen erforderlichen fünf Zähler im Eiltempo einfuhr. 9:4 hieß es am Ende für Butzweiler/Kordel, Platz zwei also. „Vielleicht wird ja Ende Mai noch ein Plätzchen frei“, hat Franko Rosswinkel die Hoffnung auf den Klassenverbleib nicht abgehakt. Derweil zeigte sich Bombogen als Aufsteiger in bester Feierlaune und verfolgte die finalen Punkte des letzten Spiels live in der Halle. Gut genährt, versteht sich.

1. Bezirksliga Süd: Aufsteiger TTG Waldalgesheim/Daxweiler

Alexander und Christopher Jürgens, Jürgen Kehr, Bernd Steitz, Oliver Christ und Ralf Krämer waren flott unterwegs. Das Team der TTG Waldalgesheim/Daxweiler fertigte nicht nur Auftaktgegner TuS Sohren im Eilverfahren mit 9:2 ab, sondern setzte sich anschließend auch gegen den VfL Weierbach durch, der damit absteigen muss. Fix waren die TTG-Helden auch nach Spielende unterwegs - und zwar unter die Dusche. So fix, dass unser Fotografinnenteam Anja Aicher und Anja Becker passen musste und das Aufstiegsteam nicht mehr vor die Linse bekam. Den Erfolg der TTG schmälert dies jedoch nicht: Waldalgesheim/Daxweiler darf sich fortan in der 1. Bezirksliga mit der Konkurrenz messen.

1. Bezirksliga Ost: TTC Wirges IV, Klassenverbleib

Das nennt man wohl: Chance bekommen, Chance genutzt! Durch den Rückzug der SF Höhr-Grenzhausen II durfte der TTC Wirges IV um Routinier Matthias Beck als Vorletzter der 1. Bezirksliga Ost zur Relegation. Und packte die Gunst der Stunde beim Schopfe. 9:2 gegen den VfL Osterspai hieß es, auch der SSV Hattert siegte in dieser Höhe gegen das Team vom Rhein. Damit war ein Finale um Aufstieg beziehungsweise Ligaverbleib angerichtet, das an Dramatik kaum zu überbieten war. Acht (!) Fünfsatzspiele zauberten die Teams aus dem Westerwald auf den Tisch. Fünf davon gewannen die Wirgeser, die am Ende mit 9:5 triumphierten. Das war knapp, „sogar sehr knapp“, wie Hatterts Patrick Aicher erschöpft sagte. 

1. Bezirksliga Nord: TTC Olympia Koblenz, Klassenverbleib

Packendes Finale auch in dieser Relegationsrunde: Sowohl der TTC Ockenfels (9:6) als auch der TTC Olympia Koblenz (9:4) besiegten den TTC Karla, sodass es im direkten Duell um Sekt oder Selters ging. Dabei führte das Team vom Lützeler Rheinufer schnell mit 4:1 und gab diesen Vorsprung schließlich nicht mehr ab. 9:6 hieß es am Ende für die Olympioniken, die damit an der Nahe das rettende Ufer erreichten und somit weiterhin in der 1. Bezirksliga spielen dürfen.  

2. Rheinlandliga Süd/West: Aufsteiger TTC 95 Laubenheim

Die DJK Irrel wehrte sich tapfer, hatte gegen den TTC 95 Laubenheim (6:9) und den TV Oberstein (7:9) aber das Nachsehen. Damit musste das Duell der Obersteiner gegen Laubenheim die Entscheidung bringen. Es wurde ziemlich deutlich. Während Oberstein um den erfahrenen Recken Thomas Schuler nun den Gang in die Bezirksliga antreten muss, feierte Laubenheim nach dem 9:3-Triumph euphorisch den Aufstieg. Wer die Laubenheimer Fans in der Kirner Sporthalle live miterlebt hat, wird sich auf eine tolle Kulisse in der neuen Spielzeit in der 2. Verbandsliga West freuen können. Denn die TTC-Fans feuerten einfach meisterlich ihr Team an - und wurden am Ende mit dem Aufstieg belohnt. Willkommen in der 2. Verbandsliga!

2. Rheinlandliga Nord/Ost: TTC Mülheim-Urmitz/Bhf. II, Klassenverbleib

Was für ein Match! Da der TTC Mündersbach/Höchstenbach II auf die Teilnahme an der Entscheidungsrunde verzichtete, kam es nur zu einem Spiel zwischen dem TTC Mülheim-Urmitz/Bhf. II und dem TV Feldkirchen II. Es sollte ein Spiel für die Geschichtsbücher werden. Beide Teams kennen sich bestens, dementsprechend gab es packende Duelle. 5:1, 6:2 und 7:4 und 8:6 führte Feldkirchens Reserve um die erfahrenen Thomas Weiler und Frank  Best, doch am Ende feierte der TTC um Haudegen Michael „Johnny“ Feltens den Klassenverbleib. Vier Satzgewinne mehr gaben schließlich den Ausschlag (34:30), bitter für Feldkirchen. 

1. Rheinlandliga: SG Sinzig/Ehlingen, Klassenverbleib

Der mit großen Ambitionen angereiste TTC Zugbrücke Grenzau III musste am Ende klein beigeben und der SG Sinzig/Ehlingen zum Klassenverbleib gratulieren. Vorausgegangen waren die beiden Auftaktspiele gegen die TTSG Wittlich, die sich nach Jahren mal wieder zu Wort meldete und mit einer Truppe aus alten Recken (Griebler, Hanio, Peters, Kutscheid) sowie jungen Wilden (Hartmann, Kriewitz, Kröger) um den Aufstieg kämpfte. Gegen Grenzau gelang dies bis zum 5:4 gut, danach ging nichts mehr. Gegen Sinzig war es schneller entschieden: Mit 9:3 triumphierte die SG souverän. Die Säubrenner indes feierten ihren Klassenerhalt...

 

Somit musste das direkte Duell zwischen Grenzau und der SG die Entscheidung bringen. Wobei sich vom ersten Ballwechsel an ein Hochspannungskrimi entwickelte - mit dem besseren Ende schließlich für die furios aufspielende junge Truppe aus Sinzig. 2:1 führte Grenzau nach den Doppeln, Foltanowicz/Kantner und Kalt/Schwickert behielten jeweils im Entscheidungssatz die Nerven. Der unverwüstliche Haudegen Foltanowicz - bester Spieler in der Kirner Sporthalle - brachte die 3:1-Führung. Danach gab Kantner sein Einzel ab, Lukas Kalt, Alexander Tiemann und erneut Foltanowicz sorgten in der Folge für die 6:4-Führung der Westerwälder. „Zu diesem Zeitpunkt hatte ich eigentlich gedacht, dass wir es schaffen“, erklärte der 2. TTC-Vorsitzende Frank Knopf, „umso größer war anschließend die Enttäuschung.“ Weil Sinzig weiterhin famos kämpfte, kippte das Spiel. Ein weiterer TTC-Einzelsieg, und es wäre zumindest ins Schlussdoppel gegangen. Allein: Dieser eine Punkt sollte einfach nicht gelingen. Zu stark präsentierten sich die jungen Sinziger, wild angefeuert von den mitgereisten Fans. Ein am Ende verdienter Erfolg für Nils Damke, Christian Ehlers, Philip Guse, Marcel Hippchen, Jonas Sonntag und Jonas Morschhausen. Die SG bleibt damit in der 1. Rheinlandliga, Grenzau III muss hoffen, dass Ende Mai noch ein Platz frei wird.

Verbandsoberliga Südwest: SG Lahnbrück Fachbach, ???

Es war ein Duell, das rein vorsorglich ausgetragen wurde. „Im Vorjahr wurde auf den letzten Drücker ein Platz frei, da mussten wir kurzfristig noch ein Entscheidungsspiel anberaumen“, erklärte TTVR-Spielleiter Wolfgang Hahn. Das sollte in dieser Saison nicht passieren, also trafen die Vizemeister der Verbandsligen Rheinland und Rheinhessen aufeinander. Trotz der Ungewissheit, ob der Sieger am Ende auch aufsteigt, lieferten sich die SG Lahnbrück Fachbach und die DJK SV RW Finthen ein hochdramatisches Duell auf Augenhöhe, wobei die SG 6:4 führte, dann mit 6:7 ins Hintertreffen geriet und schließlich am Ende die besseren Nerven hatte. 9:7 für Fachbach - nun müssen Markus Mandry, Dennis Breitenbach, Marc Baulig, Björn Wallroth, Noel Malte Witzky und Nico Wollschlag hoffen, dass noch ein Plätzchen in der Verbandsoberliga frei wird. Zu gönnen wäre es dem ehrgeizigen Team von der Lahn allemal.  

Alle Ergebnisse gibt es auf ttvr.click-tt.de

Eine weitere Fotogalerie der Relegationsspiele in Kirn folgt

Redaktion: Rainer Stauber (Text+Fotos), Anja Aicher und Anja Becker (Fotos)

 


Machten die Überraschung und damit den Aufstieg in die 1. Bezirksliga West perfekt: Bombogen SFC mit (von links) Benjamin Wagner, Markus Saam, Thomas Raub, Thomas Rau, Kai Könen und Lukas Schäfer.

Lieferte sich mit dem SSV Hattert eine Schlacht mit insgesamt acht (!) Fünfsatzspielen und durfte schließlich den Klassenverbleib in der 1. Bezirksliga Ost feiern: Der TTC Wirges IV mit (von links) Matthias Beck, Jürgen Gerhards, Luca Schneider, Bastian Aller, Markus Schlosser und Tobias Schweitzer.

Schwamm auf den letzten Drücker ans rettende Ufer und bleibt damit in der 1. Bezirksliga Nord: der TTC Olympia Koblenz mit (von links) Eugen Bernhardt, Dieter Frei, Torsten Brittnacher, Dmitrij Anton, Kiet Dang und Conrad Czielinski.

Ließ dem TV Oberstein im finalen Duell keine Chance und hatte zudem die besten Fans im Gepäck: Der TTC 95 Laubenheim mit (von links) Heiko Hermann, Carsten Gubernator, Ulrich Korrell, Dirk Kemmer, Thorsten Schäfer, Huy Ngo und Christian Adam.

Vier mehr gewonnene Sätze entschieden das Duell gegen den TV Feldkirchen II zugunsten des TTC Mülheim-Urmitz/Bhf. II, der damit in der 2. Rheinlandliga Nord bleibt (von links): Michael "Johnny" Feltens, Moritz Loch, Marc-Andre Genieser, Jan Koch, Jens Koch und Felix Sirrenberg.

Drehte mit unbändigem Kampfgeist gegen den TTC Zugbrücke Grenzau III das Spiel und bleibt damit in der 1. Rheinlandliga: die SG Sinzig/Ehlingen mit (von links) Jonas Sonntag, Jonas Morschhausen, Philip Guse, Nils Damke, Marcel Hippchen und und Christian Ehlers.

Steht in Lauerstellung vor dem Tor zur Verbandsoberliga: die SG Lahnbrück Fachbach mit (von links) Nico Wollschlag, Dennis Breitenbach, Marc Baulig, Markus Mandry, Björn Wallroth und Noel Malte Witzke.

Alles bestens im Griff; die erfahrene Turnierleitung des Tischtennisverbandes Rheinland (von links) Wolfgang Hahn, Frank Mittnacht und Anja Becker.

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