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28.03.2016

Gekämpft bis zum Schluss

Tischtennis-Bundesliga: Der TTC Zugbrücke Grenzau beendete die Saison würdevoll und muss sich neu aufstellen - Dramatisches TTBL-Finale

Grenzau - Ein Abschied, der aller Ehren wert ist

Was, bitte schön, war denn da los? Was genau ist an diesem letzten Spieltag der Saison in der Tischtennis-Bundesliga bloß passiert? Und warum? Die Play-off-Teilnehmer stehen naturgemäß nach Rundenende fest, wobei es selbst oder gerade auf der Ziellinie noch - wenn man so will - sensationelle Überraschungen gab. Oder eben auch nicht. Mitten drin der TTC Zugbrücke Grenzau. 

Nicht, dass Sie nun glauben, dass die Brexbachtaler noch was mit der Play-off-Runde zu tun hätten. Die war von den verletzungsgebeutelten Grenzauern schon vor geraumer Zeit verpasst worden. In einer Saison, die locker das Zeug dazu hat, in dem Ordner: „Ein Jahr zum Vergessen“ zu landen. Umso so schöner war der Abschluss dieser denkwürdigen Spielzeit. So haben die Westerwälder beim Spitzenreiter TTF Ochsenhausen mit 3:1 gewonnen - und das im Hauruckstil. „Das war sehr souverän und eine Topleistung von unserer Mannschaft“, freute sich der TTC-Vorsitzende Manfred Gstettner über den Sieg. Den er aber auch richtig einzuordnen wusste: „Ochsenhausen wollte eh nicht Erster werden, um im Halbfinale nicht auf Düsseldorf zu treffen.“ Düsseldorf? Die hatten doch mit den Play-offs nach verkorkster Saison auch so viel zu tun wie die Wüste Gobi mit dem Nordpol. Es sollte dennoch anders kommen. Ein genauer Blick darauf lohnt sich.

TTF Ochsenhausen: Es war 16.11 Uhr, da lag der Spitzenreiter gegen Grenzau mit 0:2 zurück. Nach knapp mehr als einer Stunde hatte zunächst Masaki Yoshida nach 0:1 und 9:10 das Spiel gegen Simon Gauzy im fünften Satz mit Matchball eins 3:2 gewonnen. „Das war das Schlüsselspiel“, sollte Gstettner später sagen. „Yoshi war sehr stark, hat noch einmal alles geben wollen und seine Ängstlichkeit wegen seiner Rückenbeschwerden hinten an gestellt.“ Hat Yoshi gewiss. Dafür: bravo und danke! 

Spiel zwei lautete Liam Pitchford (der Team-WM-Dritte verlässt Ochsenhausen und geht zum französischen Topklub Hennebont) gegen Andrej Gacina. Was in diesem Spiel passierte, ist vergleichbar mit einem ICE, der plötzlich auf der alten Grenzauer Eisenbahnstrecke durchs Brexbachtal donnert. 1:11 - so lautete Satz drei der 0:3-Niederlage Pitchfords. Am Ende hieß es 3:1 für Grenzau, auch weil Gacina unbedingt zeigen wollte, dass er nach vier Jahren am Brexbach nicht einfach so den Verein wechselt. Es geschah schweren Herzens. Oder wie Manfred Gstettner sagte: „Wir haben heute hier eine gute Truppe gesehen. Die, wenn sie fit ist, auch richtig viel Spaß macht.“ Wohl wahr, nur war sie in diesem Seuchenjahr meistens nicht fit, sprich verletzt. Was es bitter macht. „Wir verlieren mit Andrej und Yoshi zwei Topleute und müssen alles wieder neu aufbauen“, sagt Gstettner. „Das wird nicht so einfach, aber was sollen wir machen?“

TTC Fulda-Maberzell: Gemacht hat Fulda was. Und zwar den inoffiziellen Meistertitel eingetütet, sprich sich Platz eins vor Beginn der Play-offs eingeheimst. Und dass, nachdem Hagens Anton Källberg zunächst Wang Xi bezwungen hat, und es 0:1 stand. Ein überragender Ruwen Filus - seines Zeichens Ex-Grenzauer - korrigierte dies, sodass am Ende ein 3:1-Erfolg zu Buche stand. Und Platz eins - dank Grenzaus Sieg bei den „Ochsen“.

1. FC Saarbrücken-TT: Gegen Bremen wollte es zunächst auch überhaupt nicht laufen, 0:1 hieß es zu Beginn. Dann drehte Routinier Bojan Tokic mit zwei Siegen die Partie. Der Lohn: plötzlich Platz zwei. Weil Grenzau bei den „Ochsen“ gewann. Im Play-off-Halbfinale geht es nun gegen Ochsenhausen.

TTC Schwalbe Bergneustadt: Das faulste Ei am Ostermontag fanden die Schwalben in ihren Nestern. Und waren danach ob der arg gestutzten Flügel richtig sauer. Gegen Mühlhausen lag der Tabellenvierte schnell mit 0:2 zurück, kämpfte sich auf 2:2 heran, um dann 2:3 zu verlieren. Aus der Traum von der Play-off-Teilnahme, dem größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Vor rund 470 Zuschauern flogen die Schwalben selten tiefer. Das Osterfest ging für Steffen Mengel und Co. ohne Eier trübe zu Ende. Igrendwie hätte man ihnen es anders gewünscht.

Borussia Düsseldorf: Da war doch was? Stimmt, der Rekordmeister blickt ebenso wie Grenzau auf ein Jahr des Vergessens zurück. Was plötzlich wachgeküsst wurde. Von Schwalben aus dem Sauerland, woran die Borussen um Timo Boll schon gar nicht mehr zu glauben gewagt hätten. Dennoch taten sie das, was ein Rekordmeister macht: Sie erledigten ihren Job beim ASV Grünwettersbach im Schnelldurchlauf, gewann ohne Makel mit 3:0 - und schauten ab 16.37 Uhr als Erste, die den Spieltag hinter sich gebracht hatten, gebannt auf den Liveticker gen Bergneustadt. Ehe anschließend die Korken knallten. Vom Sofa aus…

TTC Zugbrücke Grenzau: Und die Brexbachtaler? Nehmen von ihrem aktuellen Team schweren Herzens Abschied. Das aber mit erhobenen Hauptes. Grenzau hat sich mit Würde aus der so arg schwierigen Saison verabschiedet. Die neue Spielzeit soll mehr Fortune mit sich bringen, wobei TTC-Macher Manfred Gstettner weiß: „Einfacher wird es nicht. Aber wir werden wieder neu angreifen.“ Immer - und immer wieder. Und das auch in der 35. Saison in der Tischtennis-Bundesliga. Rainer Stauber

 

Ergebnisse:
Gauzy-Yoshida: 11:5; 10:12; 8:11; 11:8; 9:11
Pitchford-Gacina: 3:11; 8:11; 1:11; 
Calderano-Qiu: 2:11; 11:6; 11:9; 11:8
Gauzy-Gacina: 10:12; 8:11; 13:15 


Zeitraum