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25.11.2015

Die Stunde des Schweigers

Es wird gemunkelt, dass es eine kleine mathematische Formel gibt, die das Tischtennis-Leben des Bernd Schuler treffend beschreibt: „Sein Tag hat 31 Stunden. 24 davon spielt er Tischtennis. Weitere sieben sind fürs Essen und Schlafen vorgesehen“, scherzte TTVR-Geschäftsführer Franz Homscheid. Wobei es das ziemlich genau trifft, denn der 66-jährige Defensivstratege spielt wirklich immer und überall. Unermüdlich, unverwüstlich. Und das schon seit dem Jahr 1964. Da war Bernd Schuler 15 Jahre jung. Ob er damals schon wusste, dass er sich einmal mit Haut und Haaren dem Tischtennis-Sport verschreiben würde, behält der erfahrene Recke lieber für sich. Typisch, denn auch nach 51 Jahren an der Platte ist Bernd Schuler eher ein ruhiger Zeitgenosse statt ein Mann großer Reden und Worte. Beispiel gefällig? Kein Problem!

 

„Glückwunsch zum Sieg, Bernd! Erzähl mir mal ein bisschen was“, wird der Premierensieger des Rheinland Cups unbekümmert gefragt. „Erzählen? Nö, ich erzähl nichts. Ich bin doch der Schweiger“, sagt Bernd Schuler schelmisch. Um dann doch etwas zu erzählen. So zum Beispiel über seine Motivation, nahezu Tag und Nacht am Tisch zu stehen und seiner Leidenschaft, dem Tischtennis-Spiel,  nachzugehen. „Ich trainiere vier- bis fünfmal die Woche, fahre auch zu anderen Vereinen, um entsprechende Gegner zu haben“, erklärte die Stütze des TV Cochem, der in der 2. Rheinlandliga spielt. „Ich muss meine Beinarbeit trainieren, immer in Bewegung bleiben, Laufwege schulen, neue Schläger und Beläge ausprobieren.“ Und, und, und - das Tischtennis-Programm des ehrgeizigen Defensivkünstlers ist reichhaltig gespickt. Auch mit 66 Jahren noch - oder um es mit einem Udo-Jürgens-Song zu halten: Da fängt das (Tischtennis-)Leben doch erst richtig an.

 

Bernd Schuler sieht Letzteres etwas differenzierter. „Ich bin jetzt Rentner, also habe ich Zeit.“ Zeit zum intensiven Tischtennisspielen. „Man muss die Restlaufzeit, die man hat, so nutzen, dass man Spaß hat“, sagte der ebenso drahtige wie topfite Athlet. „Ich freue mich immer, wenn ich ins Training gehen kann.“ Angetrieben, sein Abwehrspiel ständig zu verbessern und zu verfeinern. Schuler: „Es geht nur über die Basissicherheit, die man haben muss, um an der Platte zu bestehen. Sonst hat man keine Chance.“ Wer so denkt und lebt, hat Erfolg. Definitiv, was nicht nur der jüngste DM-Gewinn im Seniorendoppel untermauert.

 

Die Rheinland-Cup-Turnierserie ist für den unverwüstlichen Kämpfer jedenfalls auch eine gute Möglichkeit, seine Leidenschaft auszuleben. 24-mal war er in der Premierensaison dabei. Wobei der 66-Jährige durchaus kritisch anmerkt, dass er sich wünscht, dass „sich mehr Spieler aus höheren Klassen trauen, dort mitzumachen“. Warum? Damit er sie bezwingen kann, um weitere Punkte in Sachen TTR-Wert zu sammeln. Schuler gibt das offen zu: „Das ist meine Motivation, das macht den Reiz aus.“ Immer das Beste aus sich herausholen und sich mit den unterschiedlichsten Kontrahenten messen - das ist Schulers Maxime. 

 

Da Bernd Schuler sich als erster Sieger des TTVR-Rheinland-Cups mit dem Gewinn eines Trainingswochenendes in der Tischtennis-Schule in Grenzau belohnte, greift wohl wieder die 24-plus-7-Regel: In der Zugbrückenhalle kann sich der alte Haudegen rund um die Uhr austoben - gegen Spieler aus aller Herren Länder und Spielklassen. Die restliche Zeit stehen dann kulinarische Genüsse im Zugbrückenhotel samt Erholungsschlaf an. So einfach kann Mathematik sein. Schulersche Mathematik. Und: Am Ende hat der Schweiger dann doch richtig viel erzählt. „Danke dafür, Bernd!“
---Bericht---
Rainer Stauber

 


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