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Sport Da/He
16.07.2015

So geht Spielplan - oder eben auch nicht

Wovon Staffelleiter und Mannschaftsführer alle Jahre wieder ein Liedchen singen können - und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Es ist ein immer wiederkehrendes Spiel namens Ringen. Nein, nicht der Sport, beim dem muskelbepackte Menschen sich zum Ziel gesetzt haben, den jeweiligen Pendant rücklings auf die Matte zu legen. Rücklings auf der Matte liegend, finden sich derweil aber auch Tischtennis-Spieler wieder - ganz gleich ob muskelbepackt oder eher weniger. Wobei Spieler auch irreführend ist. Es sind diejenigen, die den Spielbetrieb organisieren und zu organisieren haben - in den Vereinen wie im Verband - und natürlich auch selbst spielen. Alljährlich gibt es einen ebenso munteren wie nervenaufreibenden (Macht-)Kampf abseits der Platten, bei dem schon vor dem ersten Aufschlag Gewinner wie Verlierer zu zählen sind. Denn eines ist ein Gesetz des Lebens: Allen, ja gar allen, kann und wird es ein jeder niemals recht machen können. Unter einen Hut im klassischen Sinne des Wortes passen nunmal nicht alle diese Menschen, die für ihre Vereine Tischtennis spielend durch die Lande ziehen - wenn sie denn Zeit haben. Dafür ist das Gedränge unter besagtem Hut zu dicht. Eine kleine Episode aus dem Leben von Staffelleitern und Mannschaftsführern auf der Suche - nein, nicht nach dem Licht, aber - nach einer tragfähigen Lösung, mit der die meisten Spieler dann doch leben können und/oder müssen oder eben auch nicht:

Es ist Sommerpause, das eigene Tischtennis-Spiel so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Und dennoch steht der Vereinskollege auf der Matte und will was von einem. Der „Kollege“ ist nämlich Mannschaftsführer, und der soll ja schließlich dafür Sorge tragen, dass ein jeder dann auch seinem liebsten Hobby nachgehen kann, wenn das Tischtennis-Spielen wieder näher rückt. Also tritt der Mannschaftsführer irgendwann Anfang Juli an seine Teamkollegen heran mit der unerhörten Frage: „Morgen ist Staffeltag. Wer Terminwünsche hat bzw. an bestimmten Tagen nicht kann, sagt bitte umgehend Bescheid“, lautet die WhatsApp-Botschaft unmissverständlich.

Rumms, das klingt nach Stress - und den braucht schließlich kein Mensch. „12.9. frei wäre gut, muss aber nicht sein. Bis zum 6.9. bin ich beim Rudern, da kann ich auch nicht. Für den Rest habe ich gerade keine Zeit nachzuschauen“, folgt Antwort eins. Nummer zwei macht es dem Mannschaftsführer dagegen total einfach: „Ich kann immer“, schreibt der Kollege namens „Stier 2“ im sozialen Netzwerk. Antwort drei klingt da eher kompliziert: „Wochenende vom 12.9./19.9. und Schulferien inklusive Wochenenden davor und danach kann ich nicht“, postet der Mitspieler ebenfalls per WhatsApp. Was aber heißt genau an den Wochenenden davor und danach? Jörg, so heißt der bemitleidenswerte Mannschaftsführer, schreibt artig zurück: „Ich schaue, was geht.“ Guter Mann!

Und wer so gut ist, dem will man natürlich auch helfen. „Mach möglichst drei Spiele pro Wochenende. Samstags zwei und am Sonntagmorgen dann eines. Dann lohnt es sich auch für Alex“, kommt prompt Hilfestellung für den Staffeltag vom Mitspieler namens Martin. Wirklich? Nein, nicht wirklich! „Martin, dein Vorschlag überfordert meine Kondition“, lässt Stefan rasch verlauten. Auch Rainer sieht das so: „Und meine erst recht.“

Nun gut, Jörg fährt also zum Staffeltag - mit reichlich (unnützen) Informationen. Und kommt nach heiterem Feilschen mit den anderen Mannschaftsführern der Liga sowie dem Staffelleiter mit einem fertigen Spielplan nach Hause. Der fortan in Stein gemeißelt ist. Sollte man meinen, doch denkste: Der Stein hat maximal die Konsistenz eines Wackelpuddings. „Unsere Auftaktgegner wollen das Spiel am 19.9. auf 19 Uhr verlegen. Angesetzt ist 19.30 Uhr“, meldete Jörg wenig später. Worauf Martin wusste: „Aber da ist Prophecy Fest.“ Was immer das auch sein mag…

Jörg blieb dennoch wenig Handlungsspielraum: „Ich wusste, dass du da nicht konntest, aber ich bin beim Staffeltag leider nicht drumherum gekommen. Also ist es ja auch egal, ob 19 Uhr oder 19.30 Uhr.“ Heißt auf gut Deutsch für Martin: „Sorry, aber da bist du dann nicht dabei.“ Und für Jörg gleichsam: „Mist, dann brauche ich ja einen Ersatzspieler.“ Was wiederum der Beginn einer munteren Fragerunde unter allen möglichen Ersatzkräften ist. Alle Jahre wieder eben…

Rainer Stauber   
 


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