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15.08.2014

Der Neue ist da! Verbandstrainer Carsten Schmidt im Interview

Vor wenigen Wochen erst hat er seinen Vertrag unterschrieben. Jetzt wollen wir den neuen TTVR-Verbandstrainer vorstellen. Carsten Schmidt ist ein junger Trainer aus dem Bergischen Land mit einem klugen Kopf und viel Herzblut.

Hallo Carsten! Bitte stell‘ Dich doch erst einmal kurz vor! Das Übliche eben, Alter, wo kommst du her, etc…

Mein Name ist Carsten Schmidt, ich bin noch 30 Jahre alt, verheiratet und komme aus dem schönen Wuppertal. 

 

Wie bist Du zum Tischtennis gekommen? Und was fasziniert dich daran?

Ganz klassisch habe ich erst mit Handball begonnen, als ich 7 Jahre alt war. Dann bin ich mit 10 Jahren in einen Tischtennisverein gegangen. Ich habe die Niederlagen gegen meinen Vater nicht auf mir sitzen lassen wollen.  Es dauerte auch nicht lange, bis ich seine Aufschläge bekommen und gewonnen habe.  Bis ich 17 war habe ich 3-4 Mal pro Woche sehr gutes Training genießen dürfen. Dann habe ich aber eine Pause gemacht von 3 Jahren, um mich auf mein Abitur konzentrieren zu können.  Mich fasziniert die Schnelligkeit dieser Sportart und generell dieses extrem hohe Anforderungsprofil an den Spieler. Im Laufe der Jahre merkte ich auch, dass die Entwicklungen im Tischtennis sehr schnell fortschreiten und für Spieler und Trainer eine große Herausforderung darstellen.

 

Warum bist Du dann ausgerechnet Trainer geworden? Eine eher außergewöhnliche Berufswahl, mit Verlaub.

Keine Frage, man wird auch seltsam angeschaut und belächelt, wenn man nach dem Beruf gefragt wird und man sich als „Tischtennistrainer“ ausgibt.  Immer wieder ein schönes Erlebnis, das kennen sicher alle Kollegen. Aber genau wie Lehrer  geben wir Kindern das Rüstzeug, die Grundlagen und Feinheiten unserer Sportart mit auf den Weg und begleiten sie teilweise ein Jahrzehnt oder länger durch das Leben. Wir durchleben mit den Spielern schöne Momente genauso wie nicht so schöne. Das allein macht den Reiz dieses Berufes  aus. Zum Zeitpunkt meines Studiums (Informationstechnik) habe ich aber sehr schnell  gemerkt, dass ich nicht 8 Stunden täglich im Büro sitzen möchte. So habe ich vor ein paar Jahren die Chance genutzt, mein Hobby zum Beruf zu machen.

 

Jetzt bist du gerade der neue Verbandstrainer im TTVR geworden. Dein „Traumberuf“?

Ja, ich freue mich sehr auf diese Aufgabe. Durch meine bisherige Tätigkeit im WTTV habe ich sehr gute Erfahrungen im Jugendleistungssport sammeln können, die ich jetzt in den TTVR einbringen kann. Die Eigenverantwortlichkeit ist  ein weiterer Punkt, der diese Arbeit für mich sehr interessant macht. Dazu kommt, dass ich nicht nur in der Halle stehen  und Training durchführen werde,  sondern auch andere spannende Aufgaben vor der Brust habe wie z.B. die Optimierung der Trainerausbildungen im TTVR. Diese Vielseitigkeit finde ich generell in einem Beruf sehr spannend und wichtig.

 

Wo liegen die Schwerpunkte Deiner Arbeit und mit welcher Konzeption gehst Du die neue Aufgabe an?

Der TTVR sieht sich einem Neuanfang entgegen. Einige sehr gute Spieler sind aus dem Jugendleistungsbereich aufgrund ihres  Alters ausgeschieden. So ergibt sich im Kader eine neue Altersstruktur und auch ein kleines Loch im Jugendbereich. Meine Aufgabe wird es sein,  die nachkommenden Schüler schnell an das Niveau der Jugendlichen heranzuführen, um dieses Loch zu füllen. Zugleich müssen  jüngere Jahrgänge von unten nachfolgen, besonders im weiblichen Bereich, und in die Leistungssportebene behutsam eingefügt werden.

 Mein Konzept sieht vor, dass ich aufgrund der Vereinsstruktur im Verband Rheinland sehr stark mit Vereinen zusammen arbeiten werde. Das betrifft zum einen die Kommunikation, die ich für sehr wichtig erachte. Genauso wichtig ist mir die Ausbildung neuer,  junger leistungsbereiter Trainer, die den Vereinen helfen, neue Talente zu entdecken und zu fördern. Denn ich als Verbandstrainer bin von der Basis sehr stark abhängig. An dieser  Schnittstelle will ich viel investieren.

Ehemalige Kaderspieler des Verbandes möchte ich zum einen als weitere Trainingspartner gewinnen, indem sie im Stützpunkt weiter gerne gesehen werden und der weitere Aspekt ist, dass diese prädestiniert sind als zukünftige Trainer und Betreuer. Alles in allem eine große herausfordernde Aufgabe, die es anzupacken gilt.

 

Welche Ziele hast Du Dir gesteckt?

Mein erstes Ziel ist es, dass ich die aktuellen und zukünftigen Kaderspieler dazu motivieren kann, gerne Leistungssport zu betreiben. Dies ist die Grundlage meines Erachtens für den langfristigen Erfolg. Ich möchte Tag für Tag, dass die Spieler in der Halle  „brennen“ , dass sie selbst Ziele verfolgen, die sie sich gesteckt haben und in schwierigen Phasen nicht aufgeben. Rein sportlich muss und wird mein Ziel sein, einige Spieler und Spielerinnen in die deutsche Spitze zu bringen. Das gilt sowohl für den Schüler- und Jugendbereich und darüber hinaus auch für Erwachsenenbereich. Durch gut strukturierte Traineraus – und Fortbildungen auf allen Ebenen möchte ich neue Trainer motivieren, gute Basisarbeit zu leisten, damit wechselseitige Synergien entstehen zwischen  Vereinen und  Verband.

 

Was ist Dir wichtiger? Ein gutes Resultat? Oder Du erkennst Dein Schützling hat technisch, taktisch oder auch in der Fitness Fortschritte gemacht?

Sowohl als auch. Wir müssen uns nichts vormachen: Es geht im Leistungssport letzten Endes um Ergebnisse. An denen werde auch ich als Verbandstrainer gemessen und an denen werden auch die Spieler gemessen.  Ein gutes Resultat entsteht aber durch die  genannten Faktoren neben vielen anderen.  Daher werde ich allen Bereichen größte Aufmerksamkeit schenken. Ich ziehe da gerne den Vergleich zur Fußballnationalmannschaft. Auch diese hat über Jahre nicht die besten Ergebnisse erzielt, die sich alle gewünscht hatten.  Die Entwicklung und der Fortschritt der Spieler ging aber in die entscheidende Richtung, sodass sich der Erfolg nun eingestellt hat. Im Leistungssport ist der Erfolg immer ein langwieriger Prozess.  Erfolg kommt nicht von heute auf morgen. Wie zu Beginn erwähnt begleite ich die Spieler im Optimalfall 10-12 Jahre auf ihrem Weg, da kann ich nicht nur stur ergebnisorientiert handeln. Das können sich vielleicht andere Nationen oder Verbände erlauben, die eine ganz andere Spielerselektion vornehmen können. Der TTVR kann dies meiner Meinung nach (noch) nicht!

 

Abschließend: Wie beurteilst Du ganz allgemein die Entwicklung in unserem Sport? Es gab viele Veränderungen (Zählweise, 40mm-Ball), jetzt ganz aktuell die Einführung des „Plastikballs“. Denkst Du, dass früher „alles besser“ war?

Alle genannten Änderungen habe ich am eigenen Leib zu spüren bekommen,  und dennoch fasziniert mich Tischtennis nach wie vor. In vielen Sportarten gibt es gravierendere Änderungen.  In anderen Traditionssportarten tut man sich schwer, Neues einzuführen. Früher war vieles anders, das stimmt, aber besser? Das soll jeder für sich entscheiden. Ich finde es spannend, wenn es etwas Neues gibt. Ich finde es nur nicht sinnvoll,  Änderungen durchzuführen, die unserem Sport eventuell schaden könnten. Die Begründungen, wieso z.B. der neue Ball eingeführt,  wird erscheinen mir manchmal wenig plausibel.  Vor allem wenn man die Vereine und Verbände dazu zwingt,  für einen Ball erheblich mehr zu bezahlen, neben der unglücklichen Tatsache, dass sie vielerorts selbst einen Monat vor Saisonbeginn noch nicht 100% vorrätig sind. Ich bin für alles offen, was unserer Sportart in Sachen Präsenz und Medienwirksamkeit von Nutzen sein kann.  Die Veränderungen sollten sich aber in einem bestimmten Rahmen bewegen sowie sinnvoll und langfristig  geplant sein.

 

Vielen herzlichen Dank! Wir wünschen Dir alles Gute und natürlich viel Erfolg!

Vielen Dank!


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