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25.06.2013

Tischtennis Highlight in Mendig: Vierertisch-WM 2013

Vierertisch: Für die Boris Beckers des TT-Sports

Die Sommerpause steht vor der Tür und Sie sind froh, sich jetzt für ein paar Monate anderen Sportarten zuwenden zu können? Es gibt aber auch eine Möglichkeit, sich etwas Abwechslung zu verschaffen, ohne gleich den vertrauten Tischtennisschläger aus der Hand legen zu müssen. 'Vierertisch' ist eine Fusion aus Tennis und Tischtennis und wird zum Beispiel im Westerwald gespielt. Aber aufgepasst: Dieser Sport ist nichts für Konditions-Loser!


Begeisternde Ballwechsel, bei denen die Rotation noch mehr zum Tragen kommt als beim Tischtennis und die Spieler alles an Dynamik und Kondition aufbringen müssen, was in ihnen steckt. Das ist 'Vierertisch', ein Spiel, das so mancher bestimmt schon als Jux auf dem Training gespielt hat und das eine coole Alternative für die Sommerpause darstellt. Das finden zumindest die Jungs vom TuS Weitefeld-Langenbach, die seit neun Jahren alljährlich eine 'Vierertisch-WM' ausrichten und davon überzeugt sind, dass auch die Wurzeln dieses Sports im Westerwald liegen. Einer von ihnen steht dabei besonders im Fokus: Andreas Greb, der bis auf 2012 bisher jede 'Weltmeisterschaft' für sich entscheiden konnte. "Die Ballwechsel sind länger, die Winkel größer und es ist unglaublich anstrengend", beschreibt der achtfache 'Weltmeister' seinen Sport. "Am nächsten Tag tut wirklich alles weh, aber der Spaß an der Sache wiegt das locker wieder auf."
 
Vierertisch: Eine Fusion aus Tennis und Tischtennis
 
Für diejenigen unter Ihnen, denen 'Vierertisch' bisher noch nichts sagt, hier ein kurzer Exkurs ins Regelwerk. Eigentlich gelten dieselben Gesetze wie beim Tischtennis, ein paar Abweichungen gibt es aber doch, was vor allem mit der größeren Spielfläche zusammenhängt. Beim 'Vierertisch' werden vier Tischtennistische aneinandergestellt, die gegnerischen Seiten werden mithilfe einer Bank und Banden voneinander getrennt. Der Ball darf wegen dieser Dimensionen vor dem Schlag zweimal aufticken, ein Auflehnen auf den Tisch ist ebenso erlaubt. Der Aufschlag funktioniert hingegen wie beim Tennis und wird bei einem Fehler wiederholt. Soweit die Regeln - und warum soll man das jetzt dem Tischtennis vorziehen? "Es geht uns nicht darum, gegen Tischtennis zu arbeiten. Vierertisch ist ein eigener Sport", betont Andreas Greb, der auf lange Sicht die Organisation einer Turnierserie für die Sommerpause anstrebt. "Die Spielerzahlen im Tischtennis gehen bergab und auch Turniere werden weniger gespielt. Vierertisch hat so einen hohen Spaßfaktor, dass wir damit gegen diesen Trend ankämpfen und ein paar wichtige Akzente setzen wollen."
 
Der Zuspruch, den die Westerwälder Weltmeisterschaft jedes Jahr findet, gibt dem 30-jährigen Sportlehrer recht. Mit 175 Teilnehmern war die Kapazitätsgrenze bereits im vergangenen Jahr fast schon erreicht - diesmal schnellten die Zusagen in der Vierertisch-Facebookgruppe auf 101 innerhalb eines Tages. Doch nicht nur Akteure aus unteren Klassen wollen sich in der dynamischen Sportart messen. In den vergangenen Jahren bissen regelmäßig auch bekannte Spieler aus der ersten und zweiten Bundesliga an. An ihrer Spitze steht der amtierende Deutsche Meister Steffen Mengel, der fast von Anfang an dabei ist und im vergangenen Jahr zum ersten Mal den Titel erringen konnte. "Er ist unser Zugpferd", erzählt 'Mr. Vierertisch' Andreas Greb, der den Frickenhausener schon lange kennt. "Das Spiel macht ihm sehr viel Spaß und er versucht auch stets, noch andere Topleute zu aktivieren. So hat sogar die Nationalmannschaft während eines Lehrgang einmal Vierertisch trainiert."
 
Im Tischtennis David gegen Goliath, im Vierertisch ebenbürtig
 

Neben dem Boll-Bezwinger gaben sich auch der langjährige Zweitligaspieler Gilles Michely, der Deutsche Doppelmeister Jörg Schlichter und Bergneustadts Roman Rosenberg bei dem Turnier die Ehre. Der Champion war trotzdem bis auf einmal stets der Oberligaspieler vom TuS Weitefeld-Langenbach, Andreas Greb. "Das Schöne ist, dass man im Tischtennis zwar sehr viel schlechter sein kann, aber am Vierertisch die Chance hat, das wieder auszugleichen. Steffen Mengel hat letztes Jahr vor allem deshalb gegen mich gewonnen, weil er fitter ist und nicht wegen seines technischen Vorsprungs." Dass das im Tischtennis ganz anders läuft, hat der Daadener nicht zuletzt bei einem Tischtennis-Showkampf erlebt, bei dem er gegen Timo Boll persönlich in den Ring durfte. Deutschlands Nummer eins konnte er bei dieser Gelegenheit zwar nicht zu einer Teilnahme bewegen, dafür hat das Ausland inzwischen angeklopft. In diesem Jahr wird eine Delegation französischer Vierertischspieler beim Turnier dabei sein und sich vorher in einem 'Länderspiel' mit den deutschen Routiniers messen.
 
"Das haben wir uns als Appetithäppchen für das diesjährige Turnier überlegt", verrät Greb. "Denn dieses Jahr soll alles noch etwas professioneller laufen." So wird beim zehnjährigen Jubiläum des Turniers am 29. und 30. Juni im Mendig auch das Preisgeld von 200 auf 500 Euro erhöht, um einen zusätzlichen Anreiz für die Topleute zu bieten. Die Angst vor einer möglichen Blamage, die Dominator Greb ihnen zufügen könnte, nimmt er ihnen auch schon im Vorhinein: "Ich werde auch älter und die Besetzung wird immer besser. Da kann ich von der Kondition teilweise nicht mehr mithalten." Da steht einer Teilnahme ja nichts mehr im Wege. Und wer weiß? Vielleicht bekommt Greb ja auch irgendwann mal seine Revanche gegen Timo Boll - nur dann auf seinem eigenen Terrain.








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